Anarchy in the UK: Der Anarchismus in der englischen Literatur

16.12.2014 von 18:15 bis 20:15

Cord-Christian Casper, Doktorand am Englischen Seminar

Der  Anarchismus wird im Großbritannien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ambivalent dargestellt. In der  Hochliteratur und den Massenmedien, im Theater und im Cartoon wird der „ethische Diskurs über revolutionäre Praxis“ (Graeber) zu einem Fremdbild des Bedrohlichen, Irrationalen und potenziell Terroristischen. Diese Form der ‚politischen Alterität‘ –  massenmedial produziert sowie pseudo-wissenschaftlich belegt durch Degenerationstheorien – schlägt sich in der Figur des „dynamitards“ (Melchiori), des bombenlegenden Anarchisten in der englischen Literatur nieder, der als Symptom einer Krise des British Empire wahrgenommen wird.

Zugleich wird die Abgrenzung  zwischen dem Selbstbild politischer Kultur und dem Fremdbild des anarchistischen Chaos in der zeitgenössischen Literatur zunehmend aufgeweicht: Die Autor/Innen können sich der Faszination des Anarchismus als philosophischer und politischer Strömung nicht entziehen. Im frühen Modernismus wird anarchistisches Denken als Möglichkeit inszeniert, gesellschaftliche, aber auch sprachlich überkommene Konventionen zu überwinden und eine literarisch-politische Erneuerung zu beginnen, die  Ezra Pound programmatisch mit dem Slogan „Make it new!“ einfordert.

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