Forschungslücke Kulturpolitik - ein interdisziplinärer Auftrag? Mikropolitologische Ansätze zur Untersuchung von Strukturen, Prozessen und Reichweiten eines Politikfeldes

08.07.2014 von 18:00 bis 20:00

Kilian Lembke, M. A., Doktorand der Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften

Lembke

Strukturen und Prozesse auf kommunaler Ebene sind ein bisher kaum beachteter Bereich in der Politikwissenschaft - zumal in der Forschung zur Kulturpolitik. Es fehlt an Erkenntnissen über die Strukturen der Kulturpolitik auf kommunaler Ebene.  Wie gestalten Akteure die Institutionen und Organe (Polity) in kulturpolitischen Prozessen (Politics)? Wie werden Probleme definiert, Agenda Setting betrieben, Lösungsansätze erarbeitet und Projekte durchgeführt, begleitet und evaluiert? Welche Auswirkungen haben kulturpolitischen Agenden und Programme für die Bürgerinnen und Bürger, die Verwaltung und die kulturpolitischen Akteure?

Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die Determinanten und Mechanismen kommunaler Kulturpolitik aufzuzeigen und deren Auswirkungen auf Kultureinrichtungen, Kulturschaffende und Kulturrezipienten zu untersuchen. Anhand der Mikrostrukturen der Policy Kultur soll das Gefüge kommunaler Kulturpolitik und damit die tatsächliche Konstitution kultureller Institutionen untersucht werden. Diese micropolitics (Mikropolitologie) stellen die Mechanismen, Eingespieltheiten und das Innenleben eines Politikfeldes bzw. von politischen Akteuren dar. Dieser wissenschaftliche Ansatz ist in der Politikwissenschaft noch weitgehend ohne eigene Forschungstradition, findet aber gleichwohl bereits Anwendung in den in Literatur-, Erziehungs- und Verwaltungswissenschaften sowie der Soziologie und besonders der Organisationsforschung. Letztere bietet zudem eine interdisziplinäre Brücke zu den kleinsten Organisationseinheiten im Föderalismus, den Kommunen und ihren Verwaltungen und Eigenbetrieben.

Die Dissertation ist als politikwissenschaftliche Untersuchung angelegt, und gleichsam handelt es sich auch um eine Untersuchung, die Auskunft über die Situation von Literatur, Medien, Theater und Popularkultur gibt, da diese die wesentlichen Felder von realer Kulturpolitik und -verwaltung sind.

Die kulturpolitischen Prozesse der Kommune sollen dabei  unter zwei übergeordneten Fragestellungen untersucht werden. Einerseits  gilt es der Frage nachzugehen, wie Mikro-Policy-Prozesse in kommunaler/m Kulturpolitik und -betrieb erfolgen, also wie es zu kulturpolitischen Entscheidungen kommt. Andererseits: Wie wirken sich dabei die Interaktionsformen der Akteure auf den politischen Prozess (die Politics) aus. Kurz: In welcher Weise determinieren sich Policy und Politics im Kulturbereich.

Da für das Dissertationsvorhaben kaum empirisches Datenmaterial vorliegt, ist es erforderlich, Daten zur Kultur- und besonders Medienrezeption neu zu sammeln und zu analysieren. Dazu notwendige Daten werden u. a. von der passiven, rezipierenden Ebene der Kulturnutzer erhoben. Diese können über die Wünsche, Bedürfnisse und die Bewertung von Kulturangeboten und -Einrichtungen Auskunft geben. Für die Ebene der Kulturnutzer ist eine Online-Befragung der Norderstedter Jugendlichen erfolgt, denen Fragen zu ihrem Kultur-Konsumverhalten und ihrem Freizeitverhalten gestellt wurden. Es ging primär darum, das Erleben und Nutzen von Kulturbereichen (Literatur, Medien, Theater, etc.) und deren Bewertung zu erfassen. Die Erkenntnisse aus der Befragung sollen Auskunft über das Maß der Nutzerorientierung der kommunalen Kulturpolitik geben. Fragestellungen hierbei: Welche Angebote erwarten Jugendliche von Büchereien, Theatern, Kinos, etc.? Welche Kommunikationsformen und welche Medien nutzen Jugendlichen für ihren Kulturkonsum? These: Die kommunale Kulturpolitik und -verwaltung ist unzureichend auf die Lebens- und Erlebenswelt(en) von Jugendlichen eingestellt, mit der Folge das kulturpolitische Programme in ihrer Reichweite scheitern müssen und damit staatliche Ressourcen ineffizient eingesetzt werden.

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