'Geschlechtliche Identität' im Kunstunterricht. Unterschiedliche Lebensentwürfe und ihre Bilder in der Sekundarstufe I.

01.07.2014 von 18:00 bis 20:00

Daniel Peters, Kunst (-Pädagogik)

Die Möglichkeiten davon, wie Menschen ihr Geschlecht leben, sind in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden, wie es beispielsweise die Vätermonate oder die Eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zeigen. Solche gesellschaftlichen Veränderungsprozesse lassen die Frage aufkommen, welche Konsequenzen hieraus für das Aufwachsen in der heutigen Zeit entstehen und wie Schule, und somit Kunstunterricht, diese Veränderungen aufgreifen können. 

Zur Beantwortung dieser Frage wird der Begriff der Identität unter dem Aspekt der Moderne und Postmoderne betrachtet. Wesentlich für die heutige Zeit ist, dass Freisetzungsprozesse aus solchen Strukturen auftreten, die in der Moderne, also etwa in der  Zeit seit der Industrialisierung, selbstverständlich waren, wie etwa die Voraussetzung eines bestimmten ethnischen Hintergrunds oder das Leben in einer Kleinfamilie. In Anlehnung an Gender- und Queer-Studies wird gezeigt, dass Geschlecht von Macht durchdrungen ist. Hierbei spielen Diskurse innerhalb von Sprache und Bildern, und somit in der Kunst, eine besondere Rolle. Denn diese kulturellen Phänomene rezitieren Normen, sind aber zudem auch die Stellen, an denen gesellschaftliche Veränderungen und das Bemühen um Anerkennung sichtbar werden. Darauf wird in den Visual-Culture-Studies hingewiesen. Diese Veränderungen beziehen sich auf die drei Dimensionen von Geschlecht: den Körper (engl: sex), die Rolleneinnahme (gender) und das Begehren. Die Relevanz von Diskursen auch bei Bildern zu berücksichtigen, ist für Kunstunterricht zentral, da in diesem Schulfach neben Sprache insbesondere verschiedene Bildformen verwandt werden.

Gesellschaftliche Veränderungen werden auch im Jugendalter sichtbar. So wird hier geschlechtlich-bestimmtes Auftreten auch in den Auseinandersetzungen mit Medien erarbeitet, wobei die Formen geschlechtlichen Auftretens in ihrer Vielfalt sichtbar werden. Das hat Konsequenzen für alle pädagogische Kontexte: Wenn Geschlecht vielfältig in der Gesellschaft gelebt werden kann, dann muss Schule hierauf reagieren, wenn sie die nachwachsende Generation auf ein Leben in und die Übernahme von Verantwortung der Gesellschaft vorbereiten will. Und da Bilder eine besondere Bedeutung haben, welche Normen wiederholen und zugleich verändern, hat der Kunstunterricht eine besondere Aufgabe für diese Vorbereitung auf die gesellschaftliche Verantwortung der Schüler_innen.

In einem Ausblick wird daher mit Rückgriff auf eine Pädagogik der Vielfalt ein Vorschlag erarbeitet, wie im Unterricht Auseinandersetzungen mit Identität und Geschlecht angeregt werden können. Hierzu werden Arbeiten der Künstler_innen Cindy Sherman und Jürgen Klauke herangezogen. Mit diesen künstlerischen Positionen lassen sich Reflexions-Prozesse inszenieren, die vorhandene Kategorisierungen in Frage stellen sowie dekonstruieren und somit vervielfältigen können, wie Schüler_innen ‚geschlechtliche Identität‘ auffassen.

 

 

Diesen Termin meinem iCal-Kalender hinzufügen

zurück