Schloss Gottorf 1665 – Möglichkeiten zur Rekonstruktion der herzoglichen Sammlung und ihre Präsentation am Beispiel der Werke Jürgen Ovens'

03.06.2014 von 18:00 bis 20:00

Constanze Köster, Doktorandin am Kunsthistorischen Institut

Das 350. Universitätsjubiläum im kommenden Jahr ist auch Anlass, erneut einen Blick auf die Glanzzeit Gottorfs im 17. Jahrhundert zu werfen. Die Gründung der Universität ist ein Resultat der kulturellen und politischen Ambitionen der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, Friedrich III. und Christian Albrecht, das bis heute Bestand hat. Zu dieser Zeit zog der Schleswiger Hof als kulturelles Zentrum verschiedene Künstler, Gelehrte und Handwerker an. Die herzoglichen Sammlungen wurden stetig erweitert, das Schloss und seine Gärten ausgebaut und aufwendig ausgestattet.

Bedingt durch die Geschichte Schleswig-Holsteins wurde das Inventar Schloss Gottorfs seit dem 18. Jahrhundert im skandinavischen Raum verteilt, Zurückgebliebenes verfiel zum großen Teil. Gemessen an der einstigen Pracht ist wenig davon vor Ort erhalten, nur durch moderne Nachbildungen kann sich einem Abbild der herzoglichen Residenz angenähert werden.

Am Beispiel des Malers Jürgen Ovens, der drei Jahrzehnte im Dienst der Gottorfer stand, sollen die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, die eine Rekonstruktion der Ausstattung des Schlosses mit sich bringt. Davon beeinflusst ist auch die Bewertung des Maler-OEuvres, das mit der Auflösung des ehemaligen Kontexts seine ursprüngliche Bedeutung einbüßt. Programmatisch teilweise eng der Inszenierung des Herzoghauses verbunden, enthält es kaum Allgemeingültiges und wird für die besitzenden Sammlungen im Rahmen musealer Präsentation belanglos. Dadurch wiederum schwinden das Interesse und so auch das Wissen um diese Stücke zunehmend. Teilweise erfahren sie eine Umdeutung.

Dem gegenüber stehen Werke aus Gottorf, die in ihrer Aussage und Funktion nicht an die herzogliche Sammlung gebunden sind, so dass kein derartiger Bedeutungsverlust stattfindet. Gleichzeitig bleiben sie jedoch ein Teil der materiellen Überlieferung, die eine historische Rückschau ermöglicht.

Daraus resultiert die Frage, in welcher Form eine derartige Rekonstruktion stattfinden kann, und außerdem, wie diese zu vermitteln ist.

Zu der kunsthistorischen Betrachtung kommen ganz pragmatische Fragen, die Erhaltung, Zugänglichkeit und wissenschaftlichen Austausch betreffen. Beispiele der eigenen Vorgehensweise sollen Möglichkeiten und Hürden bei der Zusammenstellung eines mittlerweile auseinandergerissenen Werks zeigen. In diesem Zusammenhang soll auch ein Blick auf die heutige Ausstellung ehemaliger Gottorfer Sammlungsbestände an den verschiedenen Orten geworfen werden. Dabei gibt es verschiedene Wege der Präsentation, die die jeweiligen Stücke in alte und neue Zusammenhänge setzen.

Abgesehen von den Schwierigkeiten der Rekonstruktion wird im Vortrag auch exemplarisch die Fülle der herzoglichen Sammlung vor Augen geführt. Neben der heutigen Sammlung des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums werden weitere Bestände vorgestellt. Thema sind die Möglichkeiten partieller Ausstellungen sowie virtueller Darstellungen und Zusammenführungen, die schließlich ein Abbild des alten Bestandes entstehen lassen sollen. Dabei ergeben sich folgende Fragen: Wo liegen die Grenzen bei der Wiederbelebung einer lange vergangenen Sammlung? Welchen Stellenwert hat diese heute? Welche Arten der Präsentation und Vermittlung sind sinnvoll?

Anlässlich des nahen Universitätsjubiläums und der Arbeit an einer Monographie zum OEuvre Jürgen Ovens (1623-1678) führt der Vortrag exemplarisch Vielfalt, Geschichte und heutige Situation der Gottorfer Sammlung vor Augen. Vorgestellt werden sollen die Möglichkeiten der Rekonstruktion einer fürstlichen Sammlung sowie des Werks eines einzelnen Künstlers. Dabei werden der Bedeutungsverlust einzelner Stücke und Ensembles thematisiert, ebenso wie Wege, diesem entgegenzuwirken.

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